Bürgerempfang der SPD Kottenheim zum Europatag

Es ist bereits eine langjährige Tradition in Kottenheim den Europatag am 5. Mai in einem würdigen Rahmen zu begehen. Der Vorsitzende des SPD Ortsvereins Helmut Wingender hatte geladen und viele Gäste kamen an diesem Freitagabend ins Kottenheimer Bürgerhaus.

Ein gemeinsames, friedliches und offenes Europa ist in Zeiten des politischen Wandels und nationalistischer Tendenzen ein verlässlicher Wert, den es zu erhalten gilt. Dies war die Kernaussage aller Redner an diesem Abend.

Clemens Hoch

Staatssekretär Clemens Hoch, Leiter der Staatskanzlei in Mainz war als Referent geladen und hob hervor, dass seiner Meinung nach die Pressefreiheit ein überaus wichtiges Gut sei. Sie dürfe weder als Fake-News diskreditiert noch mit Haft und Unterdrückung bestraft werden wie man es derzeit in den USA und der Türkei erleben kann. Dies alles dürfe trotzdem nicht dazu führen, dass die Berichterstattung aus Angst vor Kritik und Nachteilen nicht mehr ehrlich sondern angepasst sei.  „Es ist wichtig, dass die Presse nicht nur in Europa alle  störenden Dinge ausspricht, alles andere ist Public Relation“, so Hoch in seiner Rede.

Die anonyme Auseinandersetzung mit aktuellen Themen in den sozialen Netzwerken ist eine Herausforderung unserer Zeit. Gerade populistische Äußerungen, die einfache Lösungen versprechen fielen bei vielen mit Ihrer Situation unzufriedenen Menschen auf fruchtbaren Boden. „Jeder der dort schimpft oder die Trägheit mancher demokratischen Vorgänge rügt, würde sich wundern wenn die Verlässlichkeit unseres Systems nicht mehr gegeben wäre“ meinte Clemens Hoch.

Weiter sagte er: “Ich bin froh in einem Land zu leben, das stark ist im ehrenamtlichen Engagement.“ Mit Blick auf Landrat Dr. Alexander Saftig führte er aus, dass der Kreis Mayen Koblenz der erste in Rheinland-Pfalz war, der die Ehrenamtskarte ausgegeben hat. „Viele Bürger engagieren sich hier in ganz unterschiedlichen Bereichen und tragen so zu einer pluralistischen, respektvollen und offenen Gesellschaft bei.“

Abschließend bemerkte Hoch: “Europa sichert seinen Bürgern Wohlstand, Fortschritt, Freiheit und Sicherheit. Wir sollten unsere Blickrichtung ändern, positiv nach vorne sehen anstatt nur zurück.“

Anschließend ergriff Kottenheims Ortsbürgermeister a.D. und Ehrenbürger Toni Schüller das Wort.

„Ich bin stolz auf die Kottenheimer SPD, dass sie sich seit vielen Jahren für den europäischen Gedanken einsetzt und diese Bürgerveranstaltung ausrichtet.“

Auch seiner Meinung nach „brodelt“ es in Europa, „Zusammenhalt ist eine Errungenschaft, die man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen darf“.

Mit Blick auf Kritik an Europa meinte er „wir brauchen uns für unseren Wohlstand nicht zu schämen, viele Arbeitnehmerinnen und –nehmer haben dafür hart gearbeitet, Gewerkschaften dafür gestritten.“  Seiner Meinung nach ist dieser Wohlstand allerdings ungerecht verteilt. „Es kann niemals gerecht werden, nur gerechter“ so Schüller.

 „Solidarität darf nicht nur ein Schlagwort sein, Solidarität muss gelebt werden. Starke müssen für Schwächere da sein, Gesunde für Kranke, Deutsche für Ausländer, die bei uns Schutz vor Krieg und Verfolgung suchen.“

Den lokalen Bezug sieht Schüller u.a. im drohenden Defizit einer ärztlichen Versorgung im ländlichen Bereich, „Es muss auch künftig dafür geworben werden, dass Ärzte hier eine Perspektive für sich erkennen können.“

Außerdem sieht er einen wichtigen Auftrag in der Solidarität zu den Kleinsten in unserer Gesellschaft, die auch weiterhin einen Grundschulplatz in Wohnortnähe besuchen können sollten. „Kurze Beine, kurze Wege“ das ist das Motto derer, die sich dafür engagieren.

 „Jeden, der seine Hand nach uns ausstreckt müssen wir mitnehmen“ so Schüllers abschließende Worte.

Weiterhin freute man sich noch über einen Beitrag des Landrats des Kreises Mayen Koblenz, Dr. Alexander Saftig.

„Der europäische Gedanke ist trotz vielfacher Kritik immer noch lebendig, wir müssen ihn nur verteidigen. Es gibt noch so viele gute Ideen in Europa, die in die Tat umgesetzt werden müssen“ so Dr. Saftig in seiner Ansprache.

Mit Blick auf die Präsidentschaftswahl in Frankreich, deren Ausgang er besorgt entgegensah sagte er: „Deutschland und Frankreich sind Antipoden, die aber gerade auf Grund dieser Gegensätzlichkeit viele positive Grundideen für Europa entwickelt haben.

Aus seiner Sicht, sollte es u.a. auch ein wichtiges Ziel Europas sein die Pluralität in der Bankenlandschaft zu bewahren. „Gerade die regional engagierten Banken wie Kreissparkassen und Volksbanken leisten einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft und dürfen auch in Zukunft nicht durch ein Bankensystem verdrängt werden, in dem Privatbanken zu sehr dominieren.

„Auch wenn es uns manchmal zwickt, Europa braucht uns“ so der Schlussapell des Landrats an das aufmerksam lauschende Publikum.

Europatag in Kottenheim 2017

Vordere Reihe v.l.: Dr. Alexander Saftig, Wilhelm Anheier, Rolf Schäfer, Helmut Wingender, Toni Schüller, Martina Luig-Kaspari, Renate Sundermeyer, Clemens Hoch, Herbert Keifenheim.

Hintere Reihe v.l.: Thomas Braunstein, Christian Noll, Denise Demski, Rudolf Eultgem.


Im Anschluss an die Vorträge beglückwünschte Kottenheims Ortsbürgermeister Thomas Braunstein zusammen mit dem Ortsvereinsvorsitzenden Helmut Wingender  Toni Schüller für 50 Jahre Mitgliedschaft in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und überreichte Urkunde und Nadel zu diesem besonderen Jubiläum. Weitere Ehrungen erhielten Rudolf Eultgem für 40 Jahre, sowie Christian Noll für 10 Jahre Mitgliedschaft.

Außerdem freute sich der Ortsverein über den Zugang der drei neuen Mitglieder Denise Demski, Renate Sundermeyer und Wolfgang Renner.

Bei einem Imbiss, kühlen Getränken und zahlreichen guten Gesprächen klang der Abend aus. Auf eines ist jedenfalls Verlass, auch im nächsten Jahr wird es wieder einen Europatag in Kottenheim geben, merken Sie sich diesen Termin vor und seien Sie am 5. Mai unser Gast.

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